Studienfahrt Krakau

Vom 23. 03. bis zum 27. 03. fand dieses Jahr eine Studienfahrt nach Krakau statt; dieses Mal waren allerdings nicht nur Zehnt-/Elftklässler und Zehnt/ Elftklässlerinnen, sondern auch Neuntklässler und Neuntklässlerinnen dabei.

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Krakau- natürlich wird bei dieser Stadt zunächst einmal an das Konzentrationslager Auschwitz gedacht. Selbstverständlich lag auf diesem- und der Zeit des Nationalsozialismus‘ in Polen im Allgemeinen- zwar der Fokus während dieser Fahrt, aber die Stadt hat, wie sich im Laufe der Tage deutlich zeigte, noch sehr viel mehr zu bieten; ihre teilweise noch frühmittelalterliche Baukunst beispielsweise sowie zahlreiche Kulturangebote.

Tag eins bestand aus Busfahren, Zimmer beziehen in der gebuchten Jugendherberge und einem Essen in der Stadt.

Der Dienstag begann mit einer Führung durch das jüdische Viertel Krakaus, bei der wir auch zahlreiche andere historische Plätze Krakaus besichtigten, mit dem Stil der Stadt vertrauter wurden und natürlich einen Einblick in die Geschichte der Juden in Krakau erhielten. Zur Vorbereitung der Fahrt sollte bereits der Film „Schindlers Liste“ angeschaut worden sein, auf den dann auch viel während der Führung Bezug genommen wurde- so besichtigten wir beispielsweise originale Drehorte, darunter eine Synagoge, und bekamen den Originalghettoplatz zu sehen. Nach einer Pause kamen wir dann zum Höhepunkt des Tages: dem Zeitzeugengespräch im jüdischen Museum Galicia. 
Die Zeitzeugin Monika Goldwasser- eine polnische Dame im besten Alter- erzählte uns, unterstützt von einer Dolmetscherin, zunächst von ihrer Lebensgeschichte. Sie überlebte den Holocaust zunächst in einem Kloster und wurde noch während des Krieges von einem Ehepaar adoptiert, berichtete sie. Sie berichtete von ihrer Geschichte, aber auch von Gräueltaten, die die Nationalsozialisten in Krakau und Umgebung begingen, wie beispielsweise, dass Pfadfindergruppen Massengräber aushoben für ermordetete Kinder und anschließend selbst dort lebendig vergraben wurden. Auch von ihren Idealen und Werten, wie ihren Glauben an das Loslassen von Hass und an das Weitermachen im Leben. Nachdem sie geendet hatte, bot sie uns noch die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Am Mittwoch besichtigten wir dann Auschwitz Birkenau. Zunächst schritten wir einen zementierten Gang entlang, über einen Lautsprecher wurden durchgehend Namen verlesen, die Namen aller bekannten Opfer. Ein Name würde eine Sekunde lang verlesen, und es dauerte drei Tage, bis alle verlesen werden würden, teilte uns der Tourguide mit. Dann kamen wir zum eigentlichen Lager. Sobald wir dort waren, klärte uns der Guide über das alltägliche Leben in Auschwitz auf, und dann betraten wir die ersten Gebäude. In diesem- wie auch in allen anderen- wurde das Geschehen durch Fotografien verdeutlicht. Es gab Fotografien, und auch noch erhaltene Besitztümer der Ermordeten, die die Nationalsozialisten ihnen bei ihrer Inhaftierung abgenommen hatten; Haushaltsgegenstände und Schmuck und Kleidung und Brillen.  In einigen Räumen gab es auch Kunst, und uns wurden die Lebensumstände deutlich geschildert. 100 bis 120 Gramm Brot hätten die Menschen am Tag erhalten, berichtete der Tourguide.                   
Es gab eine Galerie mit Fotografien aller frisch Inhaftierten mit geschorenen Haaren (die Haare wurden für den Krieg als Material genutzt, einige davon waren noch erhalten), die letzten Rahmen waren allerdings leer, da gegen Kriegsende keine Fotografien mehr gemacht wurden. Nach der Galerie besichtigten wir dann das Lagergefängnis, in dem Menschenversuche an den Häftlingen gemacht wurden, wie sie großen Mengen an Hitze oder Kälte auszusetzen, oder Schlafentzug oder Hunger. Schlussendlich betraten wir auch eine der Gaskammern.

Dann folgte die Besichtigung des mit dem Konzentrationslager zusammenhängenden Vernichtungslagers Birkenau. Wir standen am Ort der Selektion, wo in arbeitsfähige (oft junge Menschen, tendenziell Männer) und nicht arbeitsfähige Menschen (Kinder unter 16, Frauen, ältere Menschen) unterteil wurde, und sahen uns auch die Waggons an, in denen die Menschen transportiert wurden. Wir besichtigten auch die Baracken, in denen die Häftlinge auf Stein bei Minusgraden schliefen. Der Tourguide teilte uns mit, dass zwei dieser Kästen für unsere gesamte Gruppe reichen würden, und ging schlussendlich noch einmal auf das große „Wie“ ein. „Propaganda“, sagte er, und erläuterte uns dann die Maschinerie dahinter.

Am Donnerstag besichtigten wir dann die Schindlerfabrik. Hier lag der Fokus vor allem auf einer authentischen Erfahrung; die Innenräume waren nach Vorbild verschiedener Stadtteile Krakaus vor und während der Besetzung ausgestattet; es wurde viel über die Zivilbevölkerung gesprochen, der beispielsweise versucht wurde, die Möglichkeit zur Bildung zu nehmen, und von der auch einige willkürlich nach Auschwitz geschickt wurden. Natürlich wurde auch über Schindler und seine Fabrik berichtet; wie er es fertig gebracht hatte, 1100 jüdische Menschen zu retten.

Anschließend durften wir uns noch etwas in der Stadt bewegen, bevor am Abend schon die Rückfahrt angetreten wurde.

Ada B. (9C)

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